Process Mining im Klinikalltag – Wie die Notaufnahme eine flexible Organisation wird

Der strukturelle Wandel der zentralen Notaufnahme stellt Krankenhäuser vor große Herausforderungen. Mittels Process Mining konnte das Evangelische Diakonissenkrankenhaus Leipzig konkrete Maßnahmen erarbeiten, die eine Steigerung der Patientensicherheit weiterhin gewährleisten kann. Für eine Einführung lesen Sie gerne hier den ersten Beitrag zum Thema „Process Mining im Klinikalltag“.

In den vergangenen Jahren sahen sich die Zentralen Notaufnahmen (ZNA) der Republik mit einem maßgeblichen Wandel an Beanspruchung konfrontiert. Die Notaufnahme, ursprünglich als erster Kontaktpunkt für medizinische Notfälle konzipiert, steht nun als niedrigschwellige, ganzheitliche stets ubiquitär verfügbare Versorgungsstelle im konstanten Abruf der Patienten. Diese Diskrepanz stellt die ZNA vor unerwartete strukturelle Herausforderungen. Das Evangelische Diakonissenkrankenhaus Leipzig hat sich diesen gestellt und 2015 begonnen, die vorhandene Big Data softwaregestützt mittels Process Mining auszuwerten und daraus resultierend konkrete Maßnahmen zum strukturellen Wandel ergriffen. Frühzeitig hat man hier erkannt, dass eine durchgehende IT-seitige Prozessbegleitung der Behandlungsabläufe essenziell ist, um eine Steigerung der Patientensicherheit vollumfänglich zu gewährleisten und die Behandlungseffizienz patientenzentriert zu gestalten. Folglich werden alle vorgenommenen Prozessschritte vollständig elektronisch automatisiert erfasst oder dokumentiert und strukturiert in einem System zentral evaluiert. Die Digitalisierung aller Versorgungsschritte ist somit die Grundlage für tiefergehende Analysen und daraus formulierten prozessualen Optimierungsmaßnahmen.


Die IT-gestützte klinische Triage
Der Handlungsbedarf bei der Restrukturierung der Organisation der ZNA war evident und prädestinierte sie für eine Analyse und Optimierung der Behandlungsabläufe. Erste strukturelle Ergebnisse konnten bereits mit der systemischen Einführung der Triage erreicht werden. Dabei erfolgte eine methodisch komplette Neuentwicklung der Notaufnahmedokumentation nach den entsprechenden Vorgaben und Empfehlungen der Fachgesellschaften. Dies bereits mit Blick auf die relevanten Qualitätsindikatoren. Die Triage ist formgebend für die systematische klinische Dokumentation der Patientendaten und ermöglicht eine Einschätzung des Patientenaufkommens für jeden Patienten seiner Behandlungsdringlichkeit nach, bestimmt anhand eines identifizierten Leitsymptoms. Diese wurde in enger Abstimmung mit der IT infrastrukturell etabliert. Daraus resultierten bereits messbare Verbesserungen des Behandlungsprozesses sowie organisatorische und strukturelle Effekte wie die Anpassung der Personalstruktur in Echtzeit und eine qualitative Verbesserung der Daten, dank der erleichterten Eingabe.


Big Data als objektive Entscheidungsgrundlage
In Vorbereitung auf die Analyse der Behandlungsprozesse bedarf es der Identifikation und Extraktion der prozessrelevanten Daten. Das Evangelische Diakonissenkrankenhaus Leipzig kann dabei auf die IT-Infrastruktur von Cerner Medico zugreifen, die es ihm erlaubt die erfassten Datensätze zentralisiert abzulegen. Auf dieser Datenbasis erfolgt die Auswertung der Datenbanken mittels des Process Mining Tools, welches ermöglicht, den gesamten IT-seitig erfassten Behandlungsprozess zu visualisieren und in Echtzeit auf definierte Cluster oder auch Einzelfälle hin zu betrachten. Somit ist die für die Auswertung relevante Fragestellung, das entscheidende Stellglied auf dem Weg zur Optimierung der Prozesse und zur Validisierung von Zielen im Hinblick auf patientenzentrierte Notfallbehandlung. Es können daher konkrete Daten aus den Analysen gewonnen werden, welche die Reliabilität der Prozessschritte darstellen können.


Dieser Auszug ist im HCM Magazin, 10. Jg., 7-8/2019 erschienen. Gern senden wir Ihnen den vollständigen Artikel kostenfrei im PDF-Format per E-Mail zu. Schreiben Sie uns dazu einfach eine kurze E-Mail.

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