Process Mining im Klinikalltag

Process Mining ermöglicht es, Prozesse im Klinikalltag objektiv zu erfassen und zu analysieren. Das schafft eine Entscheidungsgrundlage für die Optimierung von Arbeitsabläufen und damit eine Verbesserung der Versorgungsqualität und Abrechnungseffizienz.

Die zunehmend umfassende digitale Erfassung von Daten des Klinikalltags erlaubt innovativen Datenanalysemethoden wie das Process Mining - erkenntnisschaffende Werkzeuge zur Optimierung von Prozessverläufen. Ihnen zugrunde liegt die Digitalisierung, dank derer Vorgänge im Versorgungsalltag mehr und mehr systemisch abgebildet, umfangreiche Daten strukturiert erhoben und dadurch organisationsweit Potenziale zur ganzheitlichen prozessualen Integration und Harmonisierung eröffnet werden. Diese sind dem Gesundheitswesen bislang weitestgehend unzugänglich, da ein grundlegend geringeres Bewusstsein für die prozessuale Kontextualisierung von Patientenverläufen der Regelfall ist. Eine historisch gewachsene Tendenz, disziplinzentriert zu agieren, und hohe Datenschutzauflagen für hochsensible Patientendaten stehen einer prozessorientierten Zusammenführung von Datenvorkommen verschiedenster Quellen und deren Analyse und Auswertung maßgeblich im Wege. Diese tradierten Hemmnisse werden mit Ausblick auf die Potenziale der Prozessoptimierungen mit Process Mining überwindbar und zeigen in folgenden exemplarischen Anwendungsfällen eine Steigerung der Versorgungsqualität und der Abrechnungseffizienz auf. Eine der zentralen Kennzahlen bei der quantitativen Auswertung der Versorgung ist die durchschnittliche Aufenthaltsdauer von Patienten. Sie bildet ab, mit welcher Effizienz im Versorgungsalltag vorgegangen wird, und findet Aufnahme in die Evaluation der Qualität sowie in den DRGs.


Effizienz hat mehrere Seiten, die beleuchtet werden müssen
Trotz ihres signifikanten Einflusses ist die Herleitung der Effizienz ausschließlich monokausal und beruht auf der Betrachtung des erfassten Zeitraumes zwischen Aufnahme und Entlassung. Dabei werden weitere Einflussfaktoren vollkommen außen vor gelassen und damit wird eine multikausale Ursachenanalyse unterbunden. Exakt hier setzt Process Mining an und schafft die Erkenntnisgrundlagen zur tiefergehenden Prüfung der bestimmenden Variablen für die Dauer eines Klinikaufenthalts. Die gewonnenen Einblicke in die Gründe für variierende Aufenthaltsdauern sind die Anknüpfungspunkte für

  • Prozessoptimierungen,
  • zur Steigerung der Versorgungsqualität und
  • der Abrechnungseffizienz.

Im konkreten Fall der Versorgung im Zeitraum zwischen Aufnahme und Entlassung finden sich unzählige Prozessvarianten, da eine Mehrheit der Patientenhistorien individuell verläuft. Allerdings erschließen sich mittels ursachenspezifischer Datenaufbereitung und darauf folgender Process-Mining-Analyse Prozessverlaufsmuster, die medizinisch fachliche Rückschlüsse auf deren Entstehung zulassen. Die Folge: Prozesse können in erforderlichem Maß im Sinne der Versorgung und der Patientenzufriedenheit optimiert werden.


Schneller abrechnen
Für den Fall der Abrechnung ermöglicht Process Mining die Identifikation von Faktoren, die bislang eine zeitnahe Rechnungsstellung verhindern. Oftmals zeigt sich bei der Analyse der Zuordnung der erbrachten Leistungen hin zu DRGs, dass einzelne Stationen für die Codierung unterschiedliche Bearbeitungszeiten aufweisen. Bei einer Störung des vorgesehenen Vorgehens zieht dies weiterreichende Verzögerungen des gesamten Ablaufs nach sich und die Laufzeit des Abrechnungsprozesses verlängert sich. Im Klinikalltag zeigt sich ein solches Vorkommnis z.B., wenn die Aufnahmediagnose erst nach der Entlassung systemisch erfasst wird. Ohne den Eintrag der Diagnose kann die Bestimmung der DRG nicht abgeschlossen werden und die Bearbeitung ruht derweil. 


Der Patient im Fokus des Behandlungspfades
Im Ergebnis der Prozessoptimierung wird ein ganzheitlicheres Verständnis über die organisationsweiten, gar intersektoralen Prozessstrukturen gewonnen. Zusätzlich werden Entscheidungsgrundlagen geschaffen, um

  • eine gezieltere Versorgung und Verwaltung zu gestalten,
  • die patientenspezifischen Kosten zu senken und
  • die Patientenzufriedenheit zu steigern.

Grundsätzlich eröffnet Process Mining Einrichtungen das Potenzial, sowohl im Interesse der Patienten, des Managements wie auch der Ärzte, nachhaltig Mehrwerte zu schaffen.
In Kürze erfahren Sie in HCM, wie Process Mining im Detail an einem Praxisbeispiel funktioniert und wie Sie es für sich nutzen können.

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Entlang der Patientenversorgung und des Abrechnungsprozesses zeigen sich Potenziale zur Steigerung der Versorgungsqualität.

Dieser Auszug ist im HCM Magazin, 10. Jg., 03/2019 erschienen. Gern senden wir Ihnen den vollständigen Artikel kostenfrei im PDF-Format per E-Mail zu. Schreiben Sie uns einfach eine kurze E-Mail.

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Franco Bettels